Inline-Prozessüberwachung spürt Ursachen frühzeitig auf

Mit der Software LHProcessMonitoring lassen sich Mikrogeometrie-Abweichungen am Zahnrad als Ursache für Geräuschemissionen frühzeitig erkennen.
Mit der Software LHProcessMonitoring lassen sich Mikrogeometrie-Abweichungen am Zahnrad als Ursache für Geräuschemissionen frühzeitig erkennen.Bild: Liebherr-Verzahntechnik GmbH

Die Qualität der Zahnräder beeinflusst maßgeblich das sogenannte NVH- (Noise Vibration Harshness)-Verhalten eines Fahrzeuges. Umso wichtiger ist es, Auffälligkeiten in der Mikrogeometrie der Zahnflanken frühzeitig zu erkennen. Das fließt auch zunehmend in die Lastenhefte der Hersteller ein. Werden Geräuschauffälligkeiten erst am End-of-Line (EoL)-Prüfstand erkannt, ist es meist zu spät und verursacht hohe Kosten. Im Idealfall werden Abweichungen bereits während der Zahnradfertigung aufgespürt.

Übersichtliche Darstellung von Parametern, Warnungen und Grenzwertverletzungen.
Übersichtliche Darstellung von Parametern, Warnungen und Grenzwertverletzungen.Bild: Liebherr-Verzahntechnik GmbH

Digitales Tool für die E-Mobilität

Die Software LHProcessMonitoring von Liebherr-Verzahntechnik zur Inline-Prozessüberwachung visualisiert den Fertigungsprozess. Aus den gewonnenen Daten ermittelt sie Grenzwerte in Form von Hüllkurven, anhand derer der Fertigungsprozess überprüft wird. Abweichungen, die zu Geräuschanomalien führen, sind auf diese Art identifizierbar. Die Software ist optional als Bestandteil der Bedien- und Programmieroberfläche LHGearTec erhältlich. „Sie ist damit die konsequente Fortführung und Erweiterung unseres Produktportfolios an Digitalisierungsmodulen mit dem Schwerpunkt E-Mobilität“, so Florian Schuon, Leiter Digital Solutions.

Rechtzeitig Abweichungen erkennen

Dank kontinuierlicher Aufzeichnung und transparenter Auswertung befähigt die Software den Bediener, den Herstellungsprozess zu optimieren und zu stabilisieren. Grenzwertverletzungen werden automatisch erkannt und gelangen nicht in die weitere Wertschöpfungskette. LHProcessMonitoring sichert die gleichbleibende Qualität jedes einzelnen Zahnrades und kann eine nachgeschaltete 100-Prozent-Prüfung mittels Einflankenwälzprüfsystem oder Masterrad ersetzen. Das wiederum spart Investitions- und Rüstkosten – mit einer vergleichsweise geringen Investition. Gleichzeitig wird eine deutlich höhere Genauigkeit erreicht. „Oft fällt erst am Ende der Lieferkette auf, dass etwas nicht stimmt. Unsere Software verbessert die Rückverfolgbarkeit der Teile, und zwar frühzeitig, nicht erst bei der EoL-Prüfung. Auch Hersteller konventioneller Getriebe profitieren von der verbesserten Verzahnungsqualität“, erläutert Schuon die Vorteile der Software.

Wie LHGearTec verfügt auch die Software LHProcessMonitoring über eine intuitiv bedienbare grafische Oberfläche. Sie wertet die Parameter der Antriebsachsen aus und Grenzwerte lassen sich einfach per Schieberegler einstellen. Dynamische Hüllkurven zeigen Warnungen oder Stopps bei Grenzwertverletzungen an. Signale einzelner Parameter – wie Achsposition, Leistung oder Drehmoment – lassen sogar direkte Rückschlüsse auf die Fehlerquelle zu. Die Maschine wird anhand von Referenzteilen ‚trainiert‘ und gibt dem Bediener bei Abweichungen oder Auffälligkeiten sofort Hinweise, sodass fehlerhafte Teile die EoL-Prüfung gar nicht erst erreichen. Die Software ist zunächst für das Schleifen verfügbar und kann auch beim Abrichten zum Einsatz kommen. Perspektivisch soll sie auf andere Verzahnungsverfahren ausgeweitet werden.